HALBSEITENKOPFSCHMERZ
chronische Halbseitenkopfschmerzen
Halbseitenkopfschmerzen werden auch als Hem icrania (Hem ikranie) bezeichnet.
Die einzelnen Halbseitenkopfschmerz-Erkrankungen:
Hem icrania con tinua (HC) (= ununterbrochene Hem ikranie bzw. Halbseitenkopfschmerzen)
chronische parox ysmale Hem ikranie (CPH) (= anfallsartiger Halbseitenkopfschmerz)
Natürlich gibt es noch weitere Kopfschmerzarten die einseitig auftreten (z.B. Cluster Kopfschmerz, Raede r Syndrom, Nec k-Tong ue-Synd rom - siehe unten), aber eben nicht ganz bzw. nicht überwiegend halbseitig, so daß sie im eigentlichen Sinne nicht als Halbseitenkopfschmerz bezeichnet werden können.
1) Hem icrania con tinua (HC) (anhaltender Halbseitenkopfschmerz)
Bei der Hem icrania con tinua bestehen einseitige, chronische Kop fschmerzen von mittlerer Intensität. Bei ca. 60% der Patienten kommt es zwischendurch zu Schmerzverstärkungen, die den Grundschmerz dann überlagern. Diese Schmerzverstärkungen können von kurzer Dauer sein, jedoch auch einige Tage anhalten. Während den Schmerzverstärkungen kommt es zu autonomen Symptomen (= unabhängige, selbständige, nach eigenen Gesetzmäßigkeiten ablaufende Krankheitszeichen) wie Ptosis (= Herabhängen des Oberlids), Konjunktivalinjektion (= Rötung der Bindehaut), Lakrimation (= Tränenfluß) und/oder Nasenkongestion (= Anschoppung der Nasenschleimhaut), so daß die Unterscheidung von einem Cl uster-Kop fschmerz schwierig werden kann.
Bei ca. 15% der betroffenen
Patienten tritt die Erkrankung episodenhaft auf, d.h., einer
Halbseitenkopfschmerz-Episode
folgen schmerzfreie Intervalle von Wochen bis Monate. Bei ca. 32% geht diese
episodenhafte Form in einen ständig anhaltenden Schmerz über und bei 53%
besteht von vornherein eine kontinuierlicher, anhaltender
Halbseitenkopfschmerz.
Ganz selten kommt es sogar zu einem Wechsel der
betroffenen Kopfseite während des Erkrankungsverlaufes.
Ätiologie (= Krankheitsursache) und Pathogenese (= Krankheitsentwicklung) der Hem icrania con tinua sind noch nicht sicher geklärt. Neuere Untersuchungen lassen vermuten, daß an dem Krankheitsgeschehen der erste Trigeminus-Ast beteiligt ist.
Therapie bei Hem icrania con tinua:
Als Mittel der Wahl gilt Indometacin (z.B. indomet-ratiopharm®) alternativ das Piroxicamderivat Beta-Cyclodextrin.
Wir sehen hin und wieder
Patienten, bei denen Indometacin nicht anspricht. In diesen Fällen hat sich
eine intensive
therapeutische
Lokalanästhesie (Nervenbetäubung)
mit einem
langwirkenden, örtlichen Betäubungsmittel
sehr bewährt. Dabei werden die den Schmerzbereich
versorgenden Nerven 1-2 mal täglich an ihren Austrittspunkten blockiert.
Als nächst höhere Therapiestufe kommen wiederholte Blockaden des Gangl ion
cervicale superius (= eine vegetative Schaltstelle, hinter dem
oberen Rachen gelegen) oder Gangl ion
stel latum (=
eine vegetative Schaltstelle, im seitlichen Halsbereich gelegen) in
Frage.
2) Chronische paroxysmale Hem ikranie (CPH) (anfallsartige Halbseitenkopfschmerzen)
Diese Erkrankung wurde
erstmals 1974 beschrieben.
Charakteristische Merkmale sind streng
einseitig auftretende Kop fschmerzanfälle hauptsächlich im orbitalen (=
die Augenhöhle betreffend),
supraorbitalen (= die Stir n betreffend)
und/oder temporalen (= die Schlä fe betreffend) Bereich und einer Dauer von 2 bis 45
Minuten. Die Schmerzanfälle treten mindestens 5 mal pro Tag auf.
Die IHS (Internationale Kopfschmerzgesellschaft)-Kriterien verlangen, daß die Diagnose nur dann Bestand hat, wenn während der Attacken mindestens eines der folgenden autonomen Symptome (= unabhängige, selbständige, nach eigenen Gesetzmäßigkeiten ablaufende Krankheitszeichen) auf der betroffenen Seite auftritt:
konjunktivale Injektion (= Rötung der Bindehaut)
Lakrimation (= Tränenfluß)
Nasenkongestion (= Anschoppung der Nasenschleimhaut)
Rhinorrhö (= Nasenträufeln)
Ptosis (= Herabhängen des Oberlids)
Lidödem (= Schwellung aufgrund krankhafter Flüssigkeitsansammlung)
Differentialdiagnostisch (= was außer chronisch paroxysmaler Hem ikranie noch an Krankheiten infrage kommt) ist auch bei dieser Erkrankung der Cl uster-Kop fschmerz von Bedeutung. Bei der chronisch paroxysmalen Hem ikranie sind die Schmerzattacken kürzer, treten aber häufiger auf, auch überwiegt das weibliche Geschlecht. Der Cl uster-Kop fschmerz spricht i.d.R. nicht auf Indometacin an.
Therapie bei chronisch paroxysmaler Hem ikranie:
Als Mittel der Wahl gilt auch hier Indometacin (z.B. indomet-ratiopharm®) alternativ das Piroxicamderivat Beta-Cyclodextrin.
Aber, keine Regel
ohne Ausnahme, es gibt nicht wenige Patienten, die den IHS (Internationale Kop fschmerz-Gesellschaft)-Kriterien "trotzen" (diese
Krankheit wird ja auch als sog. indometacinsensibler Kopfschmerz bezeichnet) und
nicht auf Indometacin ansprechen. In
diesen Fällen hat sich eine intensive therapeutische
Lokalanästhesie (Nervenbetäubung)
mit einem
langwirkenden, örtlichen Betäubungsmittel
sehr bewährt. Dabei werden die den Schmerzbereich
versorgenden Nerven 1-2 mal täglich an ihren Austrittspunkten blockiert. Als
nächst höhere Therapiestufe kommen wiederholte Blockaden
des Gangl ion stel latum (=
eine vegetative Schaltstelle, im seitlichen Halsbereich gelegen) in Frage.
3) Migräne
Am häufigsten tritt ein
Halbseitenkopfschmerz
in Form der Migräne
auf.
Diese Halbseitenkopfschmerzen sind begleitet
von Übelkeit bis hin zu Erbrechen, Lärm- und Lichtempfindlichkeit. Darüber
hinaus kann es zu Nerven- und Sehstörungen kommen. Fast regelmäßig wird die
Schmerzqualität als pulsierend, pochend und hämmernd angegeben.
Bei den meisten Patienten tritt dieser
Halbseitenkopfschmerz
stets auf der gleichen Seite
auf, bei manchen aber auch wechselseitig. Es gibt aber auch Fälle bei denen der
ganze Kop f betroffen ist und so kein eigentlicher
Halbseitenkopfschmerz
vorliegt.
Ätiologie (= Krankheitsursache) und Pathogenese (= Krankheitsentwicklung) sind bei diesem Halbseitenkopfschmerz letztlich noch nicht sicher geklärt. Nach der IHS-Klassifikation von 1988 gibt es hauptsächlich zwei Gruppen: Migräne mit und ohne Aura. Die frühere Einteilung in einfache, klassische und komplizierte Migräne wurde aufgegeben.
Die einzelnen Migräne -Typen (IHS-codierte Klassifikation )(Göbel 1994) sind:
|
Migräne ohne Aura |
|
Migräne mit Aura |
|
Migräne mit typischer Aura |
|
Migräne mit prolongierter Aura |
|
Familiäre hemiplegische Aura |
|
Basilaris- Migräne |
|
Migräneaura ohne Kop fschmerz |
|
Migräne mit akutem Aurabeginn |
|
Ophthalmoplegische Migräne |
|
Retinale Migräne |
|
Periodische Syndrome in der Kindheit als möglicher |
|
Vorläufer oder Begleiterscheinungen einer Migräne |
|
Gutartiger paroxysmaler Schwindel in der Kindheit |
|
Alternierende Hemiplegie in der Kindheit |
|
Migräne -Komplikationen: |
|
Status migraenosus |
|
Migränöser Infarkt |
|
Migräneartige Störungen, die die genannten Kriterien nicht erfüllen |
Die genaue Klassifikation der Migräne -Kopfschmerzarten ist manchmal nicht ganz einfach, weshalb nachstehend einige Erläuterungen folgen:
Als typische Anfangssymptome einer Migräne (Aura) gelten
Sehstörungen, (halbseitige) sensible und motorische
(= Bewegungs-) Störungen sowie Dysphasie
(= Sprachausdrucksstörungen).
Die Krankheitszeichen entwickeln sich i.d.R. über einen Zeitraum von fünf bis
30 Minuten und klingen innerhalb einer Stunde wieder völlig ab.
Eine Migräne
mit prolongierter (=
verlängerter) Aura
liegt dann vor, wenn zumindest ein typisches Symptom länger als 60 Minuten und
weniger als eine Woche anhält.
Bei der familiären hemiplegischen
(= mit einer Halbseitenlähmung
einhergehenden) Migräne
besteht bei mindestens einem Verwandten (1. Grad) das gleiche Krankheitszeichen.
Bei der Basilaris- Migräne gehen die Kop fschmerzen mit Krankheitszeichen
des Gehirns einher (z.B. Schwerhörigkeit, Doppelsehen, sensible oder motorische
Störungen, Schwindel).
Nach Göbel (1994) ist es umstritten, ob der
Halbseitenkopfschmerz
bei der ophthalmoplegische Migräne (Schmerzattacken, die
mit einer Lähmung der Augenmuskeln einhergehen) überhaupt der Migräne
zugeordnet werden kann.
Gleiches gilt für die periodischen Syndrome in
der Kindheit (anfallsartiger Schwindel und abwechselnde Halbseitenlähmung,
in Verbindung mit Störungen der Hautempfindlichkeit oder Beweglichkeit sowie
vegetativen Krankheitszeichen, möglicherweise sind diese Erscheinungen
epileptiformer (=
fallsuchtartiger) Natur).
Bei der "kindlichen
Migräne" können auch Bauchschmerzen mit Übelkeit bis hin zu
Erbrechen auftreten, gelegentlich auch ein Temperaturanstieg, ohne daß Kop fschmerzen
vorliegen.
Bei der retinalen Migräne sind die Kop fschmerzen von
einem einseitigen Gesichtsfeldausfall oder gar Erblindung begleitet, was bis zu
einer Stunde anhalten kann.
Als Migräne -Komplikation ist der Status
migraenosus zu nennen, gekennzeichnet durch eine Dauer der Kop fschmerzen von
mehr als 72 Stunden Dauer, trotz Behand lung. Eine weitere Komplikation ist der migränöse
Infarkt. Dieser liegt vor, wenn ein ischämischer
(= durch Blutmangel bedingter) Infarkt
nachweisbar ist, oder die Aurasymptomatik (=
anfängliche Krankheitszeichen einer Migräne)
nicht innerhalb von 7 Tagen völlig abklingt.
Therapie der Migräne -Kop fschmerzen: Zunächst muß der Patient eingehend über die Migräne-Erkrankung aufgeklärt und über die Behandlungsmöglichkeiten informiert werden. Auf anamnestisch (= aus der Vorgeschichte) eruierte auslösende Faktoren (z.B. Schokolade, Käse, Rotwein) sollte besonders eingegangen werden. Hinweise auf eine vernünftige Lebensweise sind hilfreich, so z.B. regelmäßige Ruhezeiten, maßvolle körperliche Aktivitäten, möglichst Verzicht auf Alkohol und Nikotin und Vermeidung von Streßsituationen.
Therapie des akuten Migräne-Anfalls: Ganz wichtig ist der Hinweis,
daß Analgetika (=
Schmerzmittel)
möglichst frühzeitig einzunehmen sind, d.h., der Patient darf nicht abwarten,
bis das Vollbild des Migräne -Kopfschmerzes eingetreten ist, sondern die
Medikamenteneinnahme soll schon bei den ersten Anzeichen erfolgen. Als Mittel
der ersten Wahl gilt noch immer die Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS)(z.B.
Aspirinâ ) 1-1,5 g. Bei ungenügender Wirkung von
ASS empfiehlt sich ein Versuch mit Paracetamol (z.B. ben-u-ronâ
), 1-1,5 g (in Form von Tbl., Saft oder Zäpfchen). Nichtsteroidale
Antirheumatika (z.B. Naproxen, Diclofenac, Ibuprofen) sind gegen Migräne ebenso
wirksam wie ASS bei vergleichbarer oder geringerer Nebenwirkungsrate. Bewährt
hat sich bei einem stärkeren Migräne -
Halbseitenkopfschmerz auch die Kombination von 1g ASS
mit 1g Paracetamol. Auch ein Therapieversuch mit Metamizol (z.B. Novalginâ
) ist manchmal lohnend.
Ein potentes Therapeutikum bei Migräne- Kop fschmerzen
ist der Serotoninagonist (= Mittel, das
dem Gewebshormon Serotonin entgegenwirkt) Sumatriptan
(Imigran®). Initiale Dosierung : 100mg zum Einnehmen oder 6mg unter die Haut
gespitzt. Bei Wiederauftreten von Kop fschmerzen maximal zwei Verabreichungen in
24 Std. Häufiger wurde über ernstzunehmende Nebenwirkungen berichtet, auch in
den Medien. Bei Beachtung der Anwendungsbeschränkungen kann das Verhältnis von
Wirksamkeit und Verträglichkeit jedoch als günstig angesehen werden (Tfelt-Hansen
1993). Wegen des relativ hohen Preises dürfte Sumatriptan (gilt auch für
andere Triptane) allerdings erst dann zum Einsatz kommen, wenn andere Migräne
-Mittel nicht den gewünschten Erfolg bringen.
Zwischenzeitlich gibt es weitere Triptane: Zolmitriptan (AscoTop 2,5®,) Naratriptan (Naramig®),
Rizatriptan (Maxalt®), Almotriptan (Almogran®), Frovatriptan
(Allegro®) und seit 2002 Eletriptan
(Relpax®).
Zur
Behandlung von hemiplegischer, ophthalmoplegischer oder Basilaris-Migräne sind
Triptane aber nicht geeignet.
Ergotaminpräparate sind klassische
Pharmaka zur Kupierung eines Migräneanfalls, wegen der möglichen
Nebenwirkungen jedoch nicht ganz unproblematisch. Die Gefahr einer Gewöhnung
und Auslösung eines zusätzlichen Dauerkopfschmerzes steigt mit zunehmender
Einnahmehäufigkeit. Aus diesem Grunde sollten pro Woche nicht mehr als 6mg
Ergotamintartrat und pro Migräne-At tacke nicht mehr als 4mg eingenommen werden
(Göbel, Ensink et. Soyka 1994).
Grundsätzlich gilt auch hier,
daß beim Migränekop fschmerz die Verwendung von Mischpräparaten (z.B.
Ergotamintartrat mit Koffein oder Prophyphenazon, Codein, Paracetamol usw.)
strikt vermieden werden soll. Auf dieser Therapiestufe kann auch
Dihydroergotamin (Hydergin®) i.m. (= in den Mus
kel)
oder ganz langsam i.v. (= in eine Blutader) versucht werden
(1-1,5mg).
Besonders bei ausgeprägten vegetativen Migräne-Begleiterscheinungen hat sich die zusätzliche Gabe von 1-2 mg Flunitrazepam
(Rohypnol®) (= ein Schlafmittel) sehr bewährt, auch unter dem Aspekt, Schmerzmittel einzusparen, zumal die
Patienten in dieser Situation ohnehin das Bedürfnis haben, sich hinzulegen.
Werden die Migräne -Kop fschmerzen von Nausea
(=
Übelkeit, Brechreiz) und Erbrechen begleitet
(evtl. auch schon vor dem erwarteten Auftreten dieser Symptome), ist die
Verabreichung von Metoclopramid (Paspertin®) sehr wirksam, zum Einnehmen
oder als Zäpfchen bis zu 20mg, i.m. oder i.v. 10mg. Metoclopramid sollte nicht
an Kinder unter 10 Jahren verabreicht werden. Es ist vorteilhaft, diese Substanz
vor einem Analgetikum (= Schmerzmittel)
einzunehmen, weil Metoclopramid die Darmtätigkeit steigert und somit die
Resorption (= Aufnahme im Dar m)
weiterer verabreichter Substanzen fördert.
Alternativ kann auch der
Dopamin-Antagonist Domperidon (Motilium®) verwendet werden, Tabletten oder
Tropfen bis zu 30mg.
Unter stationären Bedingungen, denkbar auch in einem
separaten Raum innerhalb einer Praxis, hat sich bei Migräne die Verabreichung
einer Infusion (500ml Kochsalzlösung) mit 1g ASS (Aspisol®) kombiniert mit
10mg Metoclopramid (z.B. Paspertin®) und 1-2mg Flunitrazepam (z.B.
Rohypnol®)
sehr bewährt, bei heftigen Schmerzen zusätzlich 50-100mg Tramadol (z.B. Tramal®).
Die
therapeutische
Lokalanästhesie
(=
Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel)
ist im bereits voll entwickelten akuten Migräne-Anfal l wenig hilfreich.
Allerdings kann bei frühzeitiger Durchführung die Symptomatik in vielen
Fällen abgeschwächt werden, so daß oftmals Analgetika (=
Schmerzmittel) gar nicht oder in weit geringerer
Dosierung als sonst üblich eingenommen werden müssen.
Wir blockieren
vorzugsweise mit Bupivacain 0,5% die Nerven supraorbitales (=
Nerven an der Augenbraue) (je ca. 0,5ml),
occipitales major (= Nerven am Hinterkopf) (je ca. 1ml) und minor (je ca. 0,5-1 ml) und infiltrieren die
Schläfenregion beiderseits (je ca. 1-2ml). Obwohl die Migräne-Kop fschmerzen
meist nur einseitig auftreten, hat es sich bewährt, diese Behand lung nicht
nur auf die aktuell betroffene Kopfhälfte zu beschränken.
Wenn heftige
Migräne-Anfälle gehäuft (mehrmals pro Woche) auftreten, sind im Rahmen einer
stationären Behand lung schmerzseitige Blockaden
(= Betäubungen) des Gangl ion stel latum
(= eine vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich)
in engmaschiger Abfolge sehr hilfreich.
Artet der
Halbseitenkopfschmerz in einen Status migraenosus
(= länger als 72h anhaltender Migräneanfall)
aus, so ist dies eine Indikation (= Anzeige) zur stationären Aufnahme.
Bewährt hat sich
die mehrmalige (2-3x in 24 Std.) Verabreichung von 1-2mg Flunitrazepam (z.B.
Rohypnol®), initial zusammen mit 40mg Prothipendyl (z.B. Dominal forte®),
sowie eine Tropfinfusion mit 100 mg Tramadol, 1g Aspisol® und 10-20mg
Metoclopramid. Bei anhaltendem Erbrechen sollte mit der Gabe von
Dehydrobenzperidol (z.B. 2,5 mg i.m.) nicht gezögert werden.
Allgemeinmaßnahmen
im Migräneanfall bestehen in Reizabschirmung (ruhiges und verdunkeltes Zimmer).
Prophylaktische (=
vorbeugende) Therapie der Migräne -Kop fschmerzen:
Nicht immer sind die Patienten bereit, auch im
schmerzfreien Intervall konsequent Medikamente einzunehmen, so daß oftmals eine
ausführliche Aufklärung erforderlich ist. Eine Migräne -Vor beugung sollte nur
dann erfolgen, wenn die Migräneat tacken mindestens zwei mal pro Monat
auftreten. Nach Göbel und Soyka (1994) ist die Indikation auch
gegeben, wenn im bisherigen Verlauf mindestens zweimal ein Status migraenosus,
eine prolongierte (= verlängerte)
Aura oder einmalig ein migränöser Infarkt (=
Gewebszerstörung in bestimmten Hirnbereichen infolge von Sauerstoffmangel)
aufgetreten sind.
Als Mittel der ersten Wahl gelten Beta-Rezeptorenblocker
(= eigentlich Blutdruckmittel, die aber auch gegen Migräne wirken).
Allerdings haben nicht alle Substanzen aus dieser Gruppe eine vorbeugende
Wirkung auf die Migräne. Relativ sicher wirken Propanolol und Metoprolol (Diener
1989); beide Substanzen werden langsam einschleichend dosiert. Die tägliche
Höchstdosierung für Metoprolol (z.B. Beloc®) beträgt 200mg, für Propanolol
(z.B. Dociton®) 240mg. Bei Ausbildung nicht tolerierbarer orthostatischer
(= den Kreislauf betreffende)
Störungen oder einer Bradykardie (=
zu langsamer Puls) muß die Behand lung abgebrochen
werden (ausschleichend). In der Einschleichphase müssen daher regelmäßige
Puls- und Blutdruckkontrollen durchgeführt werden. Die Wirkungsweise der
Beta-Blocker in Bezug auf den Migräne-Kop fschmerz
ist noch nicht sicher
bekannt.
Zur Intervalltherapie des Migräne -Kopfschmerzes eignen sich auch Kalzium-Antagonisten
(= ein Mittel das der Wirkung von
Kalzium entgegenwirkt). Flunarizin (Sibelium®)
sollte aufgrund einer Bewertung durch das Bundesgesundheitsamt nur bei Patienten
eingesetzt werden, die unter häufigen und schweren Migräne-Anfällen leiden
und bei denen eine Behand lung mit Beta-Blockern kontraindiziert (=
gegenangezeigt) ist bzw. keine ausreichende
Wirkung gezeigt hat. Nach einer Studie hat sich Cyclandelat (Natil®) zur
Prophylaxe nicht bewährt.
Eine weitere Prophylaxemöglichkeit (3. Wahl) des
Migräne -Kopfschmerzes besteht in der Verabreichung von Serotonin-Antagonisten
(= Mittel, die dem Gewebshormon
Serotonin entgegenwirken).
Pizotifen (Sandomigran®) hat einen hemmenden
Effekt auf die Serotonin-Freisetzung im Anfangsstadium der Migräne. Lisurid (Cuvalit®),
ein Ergotamin -Derivat, ist ein Serotonin -Partialantagonist. Die Tagesdosis
beträgt 0,075 mg. Im Gegensatz zu anderen Autoren (Soyka 1989) wird
diese Substanz bei uns kaum verwendet, da bisherige Therapieversuche nicht
überzeugt haben.
Zur Prophylaxe der
Halbseitenkopfschmerzen bei der sog. menstruellen (=
regelbedingten) Migräne
soll Sulpirid
(Dogmatil®) hilfreich sein (Thoden 1986). Göbel und
Soyka (1994) empfehlen eine "Kurzzeitprophylaxe" mit 250-500 mg
Naproxen, vier Tage vor der erwarteten Regel bis drei Tage danach.
Das Derivat
der Lysergsäure, Dihydroergotamin (Hydergin®) ist zur Vorbeugung des Migräne
-Kopfschmerzes umstritten. So wird es z.B. in anglo-amerikanischen Ländern
dafür nicht verwendet.
Wenn der anfallsartige
Halbseitenkopfschmerz gehäuft (z.B. mehrmals pro Woche) auftritt
und andere vorbeugende Medikamente (z.B. Beta-Blocker) nicht greifen, ist nach
unserer Erfahrung bei diesem
Halbseitenkopfschmerz auch die
therapeutische
Lokalanästhesie
(=
Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel)
lohnend, besonders wenn sie
über 2-3 Wochen unter stationären Bedingungen 2x täglich konsequent
durchgeführt wird (Leese r et Hefermann, Schmerzklini
k Bad
Mergen theim 1990). Dabei betäuben
wir, wie zur Akutbehandlung schon beschrieben, die das Kranium
(= den knöchernen Schädel)
versorgenden Nerven an ihren Austrittspunkten. Ergänzt wird die Behand lung
durch tiefe Infiltration der oft verspannten, an die Halswir belsäule
angrenzenden Mus kulatur.
Die Wirkungsweise dieser Therapie ist beim Migräne-Halbseitenkopfschmerz nicht geklärt, vermutlich kommt es zu einer tiefgreifenden
neurovegetativen Umstimmung.
Diese Wirkungsvorstellung ähnelt sehr dem
neuraltherapeutischen Konzept, allerdings mit dem Unterschied, daß statt
Procain das langwirkende örtliche Betäubungsmittel
Bupivacain verwendet wird.
Ergänzende Methoden zur Migräne -Therapie:
Meist werden die
folgenden Methoden ergänzend eingesetzt, d.h. als Monotherapie (=
alleinige Behandlung) ist die Wirkung in der
Migräne -Behand lung in der Regel nicht ausreichend.
Eine der klassischen
Indikationen für die Akupunktur sind
Kop fschmerzen,
auch
Halbseitenkopfschmerzen. Zur
Behand lung des
Migräne -Kopfschmerzes dominieren Nadelpunkte auf dem Gallenblasen-Meridian, so
z.B. die Punkte 3, 17, 40 und 43, zusätzlich das Lenkergefäß 25 in der Mitte
der Nasenwurzel (Kossmann et al. 1986). Es sei darauf hingewiesen, daß
auch für die Behand lung der Migräne mit Akupunktur (noch) keine
wissenschaftlich exakten Ergebnisnachweise vorliegen.
Die transkutane
Nervenstimulation mittels Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden (TENS)
kann beim Migräne-Kop fschmerz, wenn sie bei den ersten Anzeichen einer Attacke
durchgeführt wird, durchaus eine Linderung der Beschwerden herbeiführen,
manchmal sogar den Ausbruch einer Attacke verhindern.
Bei vielen Migräne
-Patienten fällt auf, daß auch im schmerzfreien Intervall die an die Halswir belsäule angrenzende
Mus kulatur, teilweise auch die Schultermuskulatur
verspannt ist. In diesen Fällen hat sich die Verordnung von physikalischen
Therapiemaßnahmen (Fango, Kältebehand lung) und Krankengymnastik
als ergänzende Behand lung bewährt. Manchmal kann auch durch eine manuelle
Lymphdrainage im Kop f-/Halsbereich eine deutliche Linderung der Migräne
-Kop fschmerzen erzielt werden.
Zu erwähnen wäre bei Migräne auch die Hydrotherapie
in Form von Wechselbädern der Ex tremitäten und/ oder Kneippschen Güssen.
Wahrscheinlich beruht der oft zu beobachtende positive Effekt auf einer
neurovegetativen Umstimmung im Sinne eines ganzheitlichen Behandlungsansatzes.
Bewährt hat sich bei Migräne auch Biofeedback
(= Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale).
Auch
psychologischen Interventionen können Migräne
-Kop fschmerzen lindern:
hauptsächlich Entspannungstechniken, Schmerz- und Streßbewältigungstraining.
Kurze Beschreibung der Kop fschmerz -Syndrome, die zwar einseitig aber nicht halbseitig auftreten, streng genommen also nicht als Halbseitenkopfschmerz bezeichnet werden können:
Cluster-Kopfschmerz
(Bi
n g-H orton -Kop fschmerz):
Hauptsymptom dieser Kop fschmerzen ist der streng einseitig, in aller Regel
periorbital (= um das Auge herum)
oder frontotemporal (= im
Stirn-/Schläfenbereich) in Attacken
und vorwiegend nachts auftretende Kop fschmerz
von unerträglicher
Intensität und einer durchschnittlichen Dauer bis zu wenigen Stunden.
Überwiegend wird der Schmerzcharakter mit bohrend oder brennend angegeben.
Typischerweise, jedoch nicht zwingend, kommt es zu Tränenfluß und Augenrötung,
evtl. begleitet von einer Engstellung der Pupille und Verengung der
Lidspalte (partielles Horner-Syndrom) sowie Nasenträufeln als Begleitsymptome.
Raeder-Syndrom:
Die Kop fschmerzen sind im Versorgungsgebiet des
N. ophthalmicus (= oberer Gesichtsnerv)
lokalisiert. Die Symptomatik ist dem Cl uster-Kop fschmerz
ähnlich.
Nec k-Tong ue-Synd rom
(Nacken-Zungen-Syndrom):
Die Kop fschmerzen treten
attackenartig einseitig hinterkopfbetont auf und sind von einer unangenehmen
Hypästhesie (=
verminderte Empfindlichkeit)
der gleichseitigen Zungenhälfte begleitet. Die Ursache ist nicht eindeutig
geklärt, es wird eine Subluxation
(= unvollständige
Ausrenkung) des
Atlanto-Axial-Gelenkes
(= zwischen Kop f und Wir belsäule gelegen)
vermutet (Bogduk 1981).
A
Abdoninaler Schmerz,
Chronischer
Abdominalschmerz,
abdomineller Schmerz,
Achillessehnenschmerzen,
Afterschmerz,
Algurie,
Amputation,
Analschmerz,
Apoplexia,
Armschmerz,
Arthralgie,
Arthritis,
Arthropathien,
Arthrose (www-1-arthrose.de),
Arthrosen,
B
Bakterielle Arthritis,
Bandscheibenschaden,
Bandscheibenschmerz,
Bauchschmerz (www.bauch-schmerz.de),
Bauchschmerzen (1), Bauchschmerzen
(www.bauchschmerzen.org)(2),
Beckenringsyndrom,
Beckenschmerz,
Beingeschwüre,
Beinschmerz,
Berührungsschmerz,
Bewegungsschmerzen,
Blasenschmerz,
Borrelieninfektion (www.borrelieninfektion.de),
Brachialgie,
brennende Füße,
brennender Schmerz,
Brennschmerzen,
Brustentfernung,
Brustkorbschmerz,
Brustschmerz,
Bursitiden,
Brustwirbelsäule,
C
Cephalgie,
Cephalgien,
Cervicalsyndrom,
Chronic pelvic pain,
chronische Bauchschmerzen
(www.crohn-krankheit.de/bauchschmerzen),
chronische Gastritis,
chronische Kopfschmerzen (www.kopfschmerzen.li),
chronischer Kopfschmerz (1) (www.1-kopfschmerz.de)
chronischer Kopfschmerz
(2) (www.1-kopfschmerz.de/kopfschmerz),
chronische Kreuzschmerzen (www.kreuzschmerzen.li), chronische
Rückenschmerzen
(www.1-rueckenschmerzen.de),
chronischer Rückenschmerz (www.1-rueckenschmerz.de), Chronischer
Schmerz
(www.schmerz-chronischer.de)
D
Dammschmerz,
Darmschmerz,
Dauerkopfschmerzen,
Dauerschmerzen,
Daumenschmerzen,
Diabetisches Fußsyndrom (www.fussyndrom.de),
Diskusprolaps (www.diskusprolaps.com),
Diskotomie (www.diskotomie.de),
Dorsalgie (www.dorsalgie-schmerztherapie.de),
Durchblutungsstörungen,
Durchbruchschmerzen,
Dysästhesie,
Dyspepsie
E
Eingeweideschmerzen,
Eitrige Arthritis,
Ellbogenschmerzen,
Enddarmschmerz,
Engpaß-Syndrom,
Enthesopathie,
Entzündung,
Entzündungsschmerzen,
chronischer
Extremitätenschmerz
F
Fersenschmerzen,
Fingerarthrose,
Fingerschmerzen,
Flankenschmerz,
Flanken,
Fußgelenkschmerzen, Fußschmerz (www.fussschmerz.com),
Fußschmerzen,
Fußsohlenschmerzen,
Fußsyndrom
G
Ganzkörperschmerzen,
Gastritis,
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Gelenksarthrose,
Gelenksentzündung (www.gelenksentzuendung.de),
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Gelenkserkrankung,
Gelenkrheuma,
Gelenkrheumatismus,
Gelenkschmerzen in der Hüfte,
Gelenkschmerz (www.gelenkschmerz.co.uk),
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Gelenkschmerzen (www.gelenkschmerzen.org)
(2),
Genickschmerzen,
Genitalschmerz,
Geräusche in den Ohren,
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Gonalgie,
H
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I
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/ www.xn--ischmie-8wa.com),
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Ischiasschmerzen
K
Karzinom,
Karzinompatienten,
Kephalgie,
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Kieferschmerz,
Kniegelenksentzündung,
Knieschmerz (www.knieschmerz.org),
Knochenentzündung (www.knochen-entzuendung.de),
Knieschmerzen,
Knochenhautentzündung (www.knochenhaut-entzuendung.de),
Knochenmarkentzündung (www.knochenmarkentzuendung.de),
Knochenschmerz,
Knöchelschmerzen,
Kombinationskopfschmerzen,
Kompressionssyndrome,
Kopfschmerzanfall
((auch Migräne (www.migraene.co.uk)),
Kopfschmerzen (www.1-kopfschmerzen.de)
(1),
Kopfschmerzen (2),
Kopfschmerzen
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